Armenien – katastrophale Straßen?

Armenien – katastrophale Straßen?

Statistik:

Goris – Lake Sevan

 

Pannen: Keineeeee, ok ich war auch nur 3 Tage hier…!

Auch wenn ich nur 3 Tage in Armenien verbringen konnte (mein Flug zur Hochzeit meines Bruders ist in 5 Tagen), möchte ich dennoch mit dem mysteriösen Irrglauben der katastrophalen Straßen hier aufräumen. Daher gibt’s trotzdem nen kurzen Bericht dazu.

Nachdem meine Freunde und Familie auf die Barrikaden gegangen sind, damit ich nicht durch das Kurdengebiet der Türkei fahre, reise ich über Agarak nach Armenien ein. Das Aus-stempeln des Carnet de Passage (Zolldokument für den Iran) und der Papierkram auf armenischer Seite verlaufen problemlos.

Ich bin zwar traurig meine Perle den Iran zu verlassen, freue mich aber auf kurzärmlige T-Shirt und Hijab-Freiheit. Aus dem Iran ausgestempelt, ziehe ich den Hijab während der Fahrt durch die paar Meter Niemandsland ab und genieße das Gefühl der Freiheit. Eine Gruppe von 3 Touristen, die die Grenze zu Fuß überqueren, jubelt in Anbetracht des wehenden Schals als ich an ihnen vorbeifahre.

Ich hätte die Grenze fast schon wieder passiert ohne das Zollfenster zu besuchen. Zum Glück ruft mich ein aufmerksamer Armenier zurück. In Kasachstan ist mir das schon ein mal passiert, da war Fridolin (mein Motorrad) illegal im Land. Die Ausreise war dementsprechend abenteuerlich. Ich möchte mein Motorrad also ungern wieder versehentlich illegal einführen! Ich werde zudem angehalten eine Versicherung für Fridolin zu kaufen, bedeute dem Beamten aber, ich sei mit der Grünen Versicherungskarte bereits versichert. Dass Armenien nicht in die Grüne Versicherungskarte eingeschlossen ist bemerke ich erst später. Glücklicherweise werde ich nicht angehalten. Das hätte teuer werden können! Da ich in fester Überzeugung bin versichert zu sein lässt mich der „Versicherungsvertreter“ auf armenischer Seite, der mich 3 Minuten lang anbrüllt ich solle in sein Containerbüro kommen, kalt.

Ich bin ziemlich nervös, da die Straße in Armenien ganz furchtbar sein sollen und ich in 5 Tagen meinen Flug aus Tiflis nach Deutschland erreichen muss. In brütender Mittagshitze fahre ich also besorgt und in ständiger Alarmbereitschaft durch Armeniens grüne Berge und warte und warte und warte auf die angekündigten schlechten Straßen. Sie kommen nicht. Zunächst nicht jedenfalls.

Es ist seltsam wieder in einem Land mit Kirchen und Klostern zu sein. Beim Besichtigen des beeindruckend gelegenen Norvank Klosters fällt mir auf wie ich den Geruch nach Weihrauch irgendwie mit Heimat verbinde – obwohl ich nie in die Kirche gehe! Ich denke an die vielen Leute die Ihre Heimat verlassen um irgendwo anders ihr Glück, oder schlicht Frieden, zu suchen und versuche mir die Komplexität der Andersartigkeit eines neuen Lebens vorzustellen, wenn alles fremd ist, auch die Gerüche. Ich tue das manchmal gern, mir ins Gedächtnis rufen wie gut ich es mit Frieden, Wohlstand und freier Bildung habe.

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Ich Campe eine Nacht am Sevan Lake. Es ist Samstag und voll von armenischen Party Touristen. Super! Ich treffe auf María auf ihrer GS. Sie ist im letzten Jahr in 2 Monaten von Spanien nach Indien und zurück gefahren! Was ein Tempo! Es gibt sie also doch – Frauen allein auf dem Motorrad! Wir tauschen uns über unsere Erfahrungen als Minderheit im männerdominierten Motorradsport aus und stimmen überein: Es braucht Durchsetzungsvermögen!

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Eine sehr kurze Nacht später, wandere ich zu der süßen armenischen Kirche die über dem See thront:

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Die Straßen in Armenien bleiben gut. Das einzige anspruchsvolle Stück sind die letzten 60 Km zur georgischen Grenze. Die sind eine einzige Baustelle! Ich frage mindestens 7 Mal ob das WIRKLICH noch die Hauptstraße nach Tiblisi ist, weil ich mich auf 1,5 Metern (Breite) Matsch durch Baustellenfahrzeuge schlängele. Ein gelangweiltes „Ja“ ist die Antwort. ‚Die Frage scheinenn sie öfter zu hören.‘ Ich bin aber gut in der Zeit und erreiche nach 3 Tagen auch schon Georgien. Entspannt.

Die Grenzüberquerung nach Georgien ist unfassbar effizient und schnell! Die Georgier haben das echt drauf! Nach kurzer Passkontrolle und Aufnahme der Fahrzeugdaten bin ich auch schon an den ersten Obst und Waschmittel Ständen. Fragt mich jetzt nicht warum gerade diese Kombi so hoch im Kurs liegt, aber das gibt’s an jeder Ecke. Ich musste meinen Pass kein 2. Mal vorzeigen (das hatte ich noch nie!). Kein Zoll- Dschungel. Ich bin so verdutzt, dass ich nochmal zurückfahre um zu fragen ob ich wieder versehentlich am Zoll vorbeigefahren bin. „Ne, alles richtig“. 2 Stunden Später komme ich im „Why not“ Hostel in Tiblisi an, da bleibe ich- wie so viele Bewohner dort- erst einmal „hängen“.

In 2 Tagen geht’s nach Deutschland zur Hochzeit meines Bruders. Bin ich bereit für Deutschland UND passe ich nach der Reise noch in mein Kleid?

 

 

One thought on “Armenien – katastrophale Straßen?

  1. Jack

    Hast jetzt zu oder abgenommen, man sieht auf dem Foto nix von Dir bzw. nur sehr viel Motorradklamotten, ev. würde ein Bikinfoto da Abhilfe schaffen 😉
    Maria ist aber wohl kaum mit diesen Rädern unterwegs, sind ja Gußfelgen – das geht gar nicht.
    Was aus Deinem Posting nicht heraus geht: ist die Reise dann schon vorbei oder machst nur einen Zwischenstopp und fährst nach der Hochzeit dann von Tiflis über die Türkei weiter zurück?
    Falls Du ne Bleibe in AT suchst, ich kann Dir was anbieten!
    Viel Spass auf der Hochzeit du eisenhartes Mädel! 🙂

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