IRAN – Ein Blick hinter verschlossene Türen – Teil II

IRAN – Ein Blick hinter verschlossene Türen – Teil II

Statistik:

Astara – Sefid Rud Lake – Qazvin (Karafkesh) – Roudbar Alamout – Marzan Abad – Teheran – Shiraz – Yazd – Isfahan – Teheran – Zangan – Täbris

Pannen:

Keine! Die 2. Etappe. Na wer sagt‘s denn!

Nachdem Roberto und ich Teherans wahnwitzigen Verkehr überlebt haben heißt es für mich vorläufig Abschied nehmen. Von Roberto UND Fridolin. Bei bis zu 50 Grad in Irans Wüste, bleibt Fridolin für eine Woche in Teheran bei Robertos Freunden Naz und Nozar.

Als ich die beiden kennenlerne bin ich überrascht, dass Naz ohne Hijab aus dem Auto steigt. Auf mein Nachfragen hin erklärt sie, dass es im Iran aktuell eine Diskussion gäbe ob das Auto als privater Raum gelte und somit keine Hijabpflicht gelte. Dass das per Gesetz (noch?) nicht legal ist interessiere sie nicht. Sie gibt mir einen Einblick in die subtile Hijab-Revolution Teherans. So gibt es beispielsweise eine Bewegung die für jeden Wochentag eine andere Hijab Farbe vorsieht, wenn man gegen den Hijab ist. Mittwochs ist er weiß. Das erste Mal, so sagt Naz, würden sich nun auch Männer anschließen, die dann ein T-shirt in der entsprechenden Farbe trügen.

Nach dem obligatorischen Tee gibt’s erst mal Wodka. Es ist 17:00 Uhr. Alkohol ist im Iran streng verboten und wird von den Iranern als illegales höchst wertvolles Gut gehandelt.

Spät abends mache ich mich auf zu meinem Hostel – Zu Fuß, mit Bus und Bahn! Wie seltsam! Ich vermisse Fridolin jetzt schon! Teheran ist nachts sicher. Ich fühle mich allein als Frau nie in Gefahr, aber man tut gut daran, wenn man ein paar Regeln kennt:

Zum Beispiel gibt es in der Metro getrennte Abteile für Frauen und Männer. Das wusste ich nicht und steige prompt ins Männerabteil ein. Beim einsteigen kommt mir der Mann hinter mir zufällig etwas nah. Ich beschwere mich und 2 Männer entschuldigen sich bei mir für sein Verhalten: „You are a guest, that should not happen!Es ist Proppenvoll. Ich als einziger Frau. Alle schauen mich an, starren fast. Ein komisches Gefühl! 3 Stationen später steigt eine weitere Frau laut meckernd ein. Auf meinen fragenden Blick hin entgegnet ein junger Iraner: „Feministin“ und verdreht die Augen. Die anderen Fahrgäste belächeln das Geschehen. Hm.

In meinem Hostel Dorm bin ich zunächst allein. Um 05:30 Uhr stolpert Alex herein, die gerade gelandet ist. Sie ist deutsche, arbeitet aber in Frankreich. Wenn man sich zu so unmenschlicher Zeit, nach unsanftem Aufwachen schon eine Stunde lang angeregt unterhält, kann das nur eine nette Begegnung sein.

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Crazy Alex und meine Wenigkeit in Isfahan

 

Und so war es auch. Alex schleppt mich später am Tag mit zu ihrem Couchsurfer Hadi, der uns Teheran zeigt. Mit der gut gelaunten Quasselstrippe Hadi besuchen wir das wohl versteckteste Teehaus Teherans. Nur Männer, Alex und ich. In Teehäusern haben Frauen keinen Zutritt – außer sie sind Touristinnen. Die Erfahrung, dass mir als Touristin gerne Sonderrechte eingeräumt werden, mache ich im Iran öfter.

Als unser Tischnachbar uns plötzlich auf deutsch anspricht und uns ein deutsches Sprichwort beibringt, was weder Alex noch ich kannten, sind wir wirklich beeindruckt:

Er bittet uns unsere Erlebnisse im Iran weiterzuerzählen. ‚Der Iran habe zu Unrecht ein schlechtes Image und eigentlich seien die Iraner doch nette Leute‘ sagt er. Ich stimme ihm zu. Ich lerne die meisten Iraner als respektvoll, ehrlich interessiert und unfassbar gastfreundlich kennen.

Alex und ich verstehen uns so gut, dass sie ihre Pläne kurzerhand um schmeißt und mit mir in den Süden, statt den Norden fährt. Die kommende Woche verbringen wir zusammen. Ich freue mich sehr darüber.

Unsere Route über Shiraz, Yazed und Isfahan beschert und 3 Nachtbusse, wenig Schlaf und 2 Couchsurferfahrungen.

Wenn man im Iran Couchsurfing macht, kann man sich darauf einstellen konsequent übermüdet zu sein. Irgendewas haben die Iraner immer mit Dir vor. Die Ungewissheit macht für mich auch den Reiz aus, es ist allerdings auch anstrengend.

Mein neues Backpackerdasein ist ziemlich ungewohnt für mich, zumal ich ja nur einen mini Rucksack, eine Hose und 2 bunte T-Shirts habe. Im Iran tragen die Frauen fast nur dunkle Kleidung und das Oberteil soll bis zu den Oberschenkeln reichen. So etwas hab ich aber nicht. Als Tourist ist das zwar kein muss, aber mir geht das angestarrt werden irgendwann so auf die Nerven, dass ich mir einen langen Rock kaufe – In Gelb. Finde den Fehler. Was ich mir dabei wieder gedacht habe, weiß ich nicht. Aus dem Aufmerksamkeitsfokus hat er mich jedenfalls nicht befreit. Aber er ist schön.

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Shiraz, Yazd und Isfahan sind 3 sehr unterschiedliche Städte mit unterschiedlichen Menschen. Heiß ist es überall. Während Alex und ich das „Hey beautiful“ in Shiraz als aufdringlich empfinden, finden wir die Leute in Isfahan weniger temperamentvoll. Das kann allerdings auch nur unsere Wahrnehmung sein.

Shiraz hat viele nette verstreute Gebäude und eine abends schön beleuchtete Basarmeile:

 

Yazd hat eine tolle sandfarbene Altstadt, wie ich sie noch aus meiner Kindheit in Ägypten kenne und liebe:

 

Isfahan glänzt mit tollen blauen Moscheen, einem (im Sommer ausgetrockneten) Fluss und einem kunterbunten, wuselligen riesigen Platz:

Unsere Couchsurfing Hosts Amir (Yazd) und Moji (Shiraz) sind beide nett und aufmerksam. Bei Amir trinke ich mein erstes selbstgebrautes Bier. Das Bier schmeckt furchtbar, aber Amir ist so stolz uns etwas so kostbares anbieten zu können, dass wir dankend mit ihm anstoßen.

In Shiraz trennen sich Alex und meine Wege. Sie hat mehr Zeit, während ich mich beeilen muss in Tiflis den Flug nach Deutschland zur Hochzeit meines Bruders zu erwischen. Wenn aus Fremden Freunde werden, fällt der Abschied schwer!

Zurück in Teheran treffe ich Hadi wieder, der mich von der Metro abholt. Diesmal habe ich den Frauenwagon genommen. Das ist lustig, denn nur im Frauenwagon werden Dinge verkauft. Als ob das nicht schon Klischee genug wäre, ratet mal was verkauft wird? -Schminke und Putzhilfen.

Mit Hadi fahre ich zu seiner WG. Ein Raum mit Teppichen ausgelegt, ohne Mobiliar in dem 4 Männer wohnen und auf dem Boden schlafen. ‚Und ich dazwischen oder wie?‘ Hadi ist ein echt vertrauenswürdiger, herzlicher Mensch und ich mache mir auch keine Sorgen, aber ich bin dann doch froh, dass ich in dem angrenzenden 3 Quadratmeter Zimmer schlafen darf, in dem tatsächlich 2 Möbelstücke stehen: Ein Stuhl und ein Schreibtisch.

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Hadis Ein-Raum-WG. Gleich wird zu Abend gegessen. Auf dem Teppich natürlich. Es ist 01:30 Uhr Nachts.

Am nächsten Tag holen Hadi und ich Fridolin ab und fahren zu seiner Familie nach Zanjan. Ich fahre endlich wieder Frisolin, er  nimmt dem Bus. Das Gefühl wieder auf mein geliebtes Motorrad zu steigen ist umwerfend (nicht wörtlich). Ich habe so vieles vermisst! Den Wind, die Freiheit hinzufahren wo ich will, ohne auf Busse angewiesen zu sein, die Entbehrlichkeit, ja sogar den Staub irgendwie.

Noch einmal lerne ich die Wirkung einer allein reisenden Frau auf dem Motorrad auf die Iraner kennen. Es ist faszinierend was die Leute hier für Menschen tun, die sie noch nie gesehen haben. Es ist mir mehrfach passiert, dass der Fahrer*die Fahrerin des Autos neben mir das Fenster runterkurbelt und mir, begleitet mit den Worten „Welcome to Iran“, eine Flasche Wasser, einen Apfel, ein Stück Kuchen o.Ä. aus dem Fenster entgegenstreckt. Von den Teeeinladungen alle Nase lang fange ich gar nicht erst an!

In Zanjan angekommen zeigt mir Hadi seine Heimatstadt. Ein letzter Besuch auf dem Basar, ein letzter illegaler Teehausbesuch.

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Morgen will ich eigentlich weiter nach Täbris und dann durch die Türkei nach Georgien. Beide Pläne ändere ich noch. Ersteren, weil Hadis Onkel, ein begeisterter Offroadfahrer mit seinem alten Jeep, sich extra freigenommen hat um mit mir einen kleine „Offroadtour“ zu machen (Für Hadi war irgendwie klar, dass ich mehrere Tage bei seiner Familie bleibe). Als ich gesehen habe wie sich der Onkel auf den Ausflug freut, kann ich nicht nein sagen.

Ok, ich bin in Zeitnot. Dann darf ich auf dem Weg nach Georgien keine Panne haben. Ich bin da zuversichtlich!

Den Plan durch die Türkei zu fahren ändere ich, weil meine Familie und meine Freunde mich bei der Ankündigung mit besorgten Nachrichten bombardieren. Auch wenn Foren die Gegend als weitgehend ruhig mit nur seltenem Schusswechsel (der sich nie gegen Touristen richtet!) beschreiben, fahre ich durch Armenien. Die Straßen sollen dort nur leider richtig mies sein…na das wird ja noch knapp zum Flug.

Zu unserem kleinen Offroadtrip kam schließlich Hadis halbe Familie mit. Weil Hadis Onkel Fridolin fahren will, sollte ich den voll besetzten Jeep fahren. Ich hatte nichts dagegen BEVOR ich die „Straße“ gesehen habe! Alter Finne, das ist mit Fridolin schon anspruchsvoll und mit einem Jeep aus dem Jahre Anno Tuk, den ich noch nie gefahren bin erst recht. Ich werde besonders im Hinblick auf meine Verantwortung für die 5 Passagiere im Jeep nervös! Der Onkel ist über alle Berge, ohne Helm, ohne Schutzkleidung. Na prima! Nach einem holprigen Start macht das dann aber richtig Spaß. Die Passagiere tun mir bei dem Geschaukel aber ein bisschen leid, aber mehr als langsam fahren kann ich nicht. ‚Sie sind erstaunlich still, oder sind sie in Schockstarre verfallen?‘

Wir runden den Tag mit einem echten Iranischen Kebab ab. Echt Iranisch bedeutet: Einfach irgendwo, gefühlt wahllos, den Grill anschmeißen und Fleisch und Tomaten am Spieß grillen und das dann mit frischen Kräutern und Fladenbrot essen. Der Tag endet mit einem weiteren traurigen Abschied vom lieben Hadi und seiner Familie.

Ich fahre weiter nach Täbris. Meine letzte Übernachtung im Iran und ich bin ein bisschen Traurig. Der Iran hat mich fasziniert und ich werde Ihn und seine Bewohner vermissen.

Auf nach Armenien also.

2 thoughts on “IRAN – Ein Blick hinter verschlossene Türen – Teil II

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