Eine schöne Geschichte der Hilfsbereitschaft!

Eine schöne Geschichte der Hilfsbereitschaft!

Ich möchte Euch eine schöne Geschichte erzählen:
Gestern habe ich mein Handy verloren. Ich bin nach einem Stopp mit offenem Tankrucksack weitergefahren und weg wars. Gemerkt habe ich das 50 Km Offroadpiste später am Hostel. Das Drama war groß. Ich habe doch nur mein Handy zum Navigieren und keine Papierkarten, kein Backup, gar nichts. Von den verlorenen Kontakten mal abgesehen!

Mein Reisebudget würde unter einer Neuanschaffung bedenklich leiden. Ich beschließe wenig hoffnungsvoll die 50 Km zurückzufahren zu dem Militärcheckpoint wo ich es sicher noch hatte. Ich bin wütend auf mich selbst, weil das so typisch für mich ist! Auf dem Weg frage ich diverse Leute mit meinen 3 Brocken Russisch, ob sie mein Handy gesehen haben. Wie das in Zentralasien üblich ist versucht jeder mir zu helfen und diverse Leute werden durchtelefoniert. Kein Handy. Mit wachsender Verzweiflung erreiche ich den Checkpoint und frage die Soldaten nach meinem Handy. Sie telefonieren ebenfalls mit dem gleichen traurigen Ergebnis.

Zeitgleich warten 2 Schweizer und 2 Franzosen auf Ihre Dokumente. Ich unterhalte mich mit dem Schweizer Lukas und klage von meinem Verlust. Seine spontane Reaktion: „Du, also wenn Du ein Handy brauchst, ich hab 2 dabei. Du kannst mein Fairphone haben“. Ich bin erst mal sprachlos. Wir „kennen“ uns 10 Sekunden und er gibt mir sein Smartphone? Ich sollte es Ihm einfach schicken, wenn ich in Deutschland bin. Lukas sagt, ihm hätten so viele Leute auf seiner Reise geholfen und er würde gern etwas zurück geben. Ich kann dieses Vertrauen und mein Glück kaum fassen. Lukas ist seit 4 Wochen mit dem Fahrrad aus der Schweiz unterwegs. Rund 100 Km macht er am Tag. Ich mache motorisiert gerade mal das 3-Fache! Wir unterhalten uns noch ein wenig über unsere Reiseerfahrungen, während er das Handy zurücksetzt. Ich verabschiede mich mit dem Versprechen das Handy entweder in der Schweiz, oder bei seiner Freundin in Süddeutschland vorbeizubringen.

Die Soldaten bitten mich einen von Ihnen die 40 Km mit ins Dorf zurückzunehmen. Ich habe zwar Sorge um meinen geschweißten Rahmen, nehme ihn aber mit. Auf dem Weg fragen wir alle Leute nach meinem Handy. Praktisch, dass mein Begleiter tadschikisch kann. Auf halbem Weg klingelt sein Handy, der Checkpoint ruft an: Mein Handy wurde gefunden! Willkommen in Zentralasien! Alles ist möglich. Wir drehen um und fahren zurück zum Checkpoint. Auf dem Weg knarzt mein Rahmen wieder verdächtig. Später finde ich raus, er ist erneut gebrochen.

Vom Checkpoint fahren wir im Konvoi in das Dorf wo mein Handy liegt. Die Aktion ist die Attraktion des Dorfes. Als ich ankomme stehen alle versammelt um mich und reden auf mich ein. Auf Russisch. Ein Mädel, die ein wenig englisch kann, stellt sich als Tochter des Finders vor und bittet mich in Ihr Haus. Das halbe Dorf folgt. Ich werde zu Tee und zum Abendessen eingeladen und eindringlich gebeten über Nacht zu bleiben.

Leider muss ich ablehnen, da mein Gepäck bereits im Hostel Pamir Lodge liegt. Die Familie und der englisch sprechende Nachbar bringen mehrfach ihre Freude darüber zum Ausdruck mal englisch sprechen könne. Das wäre selten, da die wenigen Touristen die Hauptstraße nicht verlassen. Mein zerstörtes Handy wird mir feierlich überreicht. Ein Auto sei darüber gefahren. Egal ich kann immer noch nicht fassen, dass ich es überhaupt gefunden habe. Nun habe ich wenigstens meine SD Karte wieder. Das Handy funktioniert sogar noch. Nur das Display zeigt keine Reaktion. Vielleicht kann ich es reparieren lassen. Nach 2 Stunden verlasse ich die Familie in der Dämmerung und verspreche die Fotos morgen vorbeizubringen. Im halbdunkeln fahre ich zurück und frage mich mal wieder, wie ich all diese Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft je wieder zurückgeben kann. Mein wieder kaputter Rahmen ist mir jetzt egal.

4 thoughts on “Eine schöne Geschichte der Hilfsbereitschaft!

  1. Jack

    Ja typisch Cate eben … du bist schon echt der Knaller, vermutlich würde ich mit Dir auf Reisen verzweifeln, aber Deine Herangehensweise hat ja auch was … 😉
    Dein Ausspruch „… ach, ich bin da mal ganz zuversichtlich …“ war ein Running Gag auf unserer Rückreise von der Mongolei 🙂
    Viel Glück und Spass noch

    1. Cate

      Hi Jack, ich muss lachen bei deinem Kommentar. Das mit dem running gag musst Du mir schon genauer erklären! Wie war eure Rückreise denn? Ich hab noch oft an Euch gedacht!

  2. Jack

    Cate Du bist schon echt schräg, deine Reiseberichte sind von der ganz harten Sorte – echt! Wieso nur war Alles in UB klar, dass das mit Deinem Gepäckträger nix werden wird? 😉
    Egal, ich bewundere Deinen Biss und Deine Entschlossenheit, du bist jetzt eh schon so weit gekommen, hätt nich niemals gedacht. Es wird bestimmt das Abenteuer Deines Lebens werden und dich auf dem ganzen Leben begleiten – so was hinterlässt zwangsläufig Spuren und das ist gut so.
    Unsere Rückreise verlief sehr zügig und ohne Probleme. Ich hatte mich noch ein paar Tage alleine in Rumänien aufgehalten, eines der Highlights auf der Reise für mich 🙂
    Immer wenn es Probleme gab bei uns war Dein Spruch „… ach, ich bin da mal ganz zuversichtlich“ angesagt, und schon lachten wir Alle wieder 🙂
    Ich wünsch Dir dass es weiterhin vorwärts geht, wie ist egal 😉
    glg ausm Büro
    Jack

    1. Cate

      Danke, danke. Das „so weit gekommen“ klappt glaube ich nur, WEIL ich mir nicht so viele Gedanken und Sorgen mache, nicht trotzem :). Aber das ist nur eine Theorie.
      Ich freue mich sehr, dass ich Euren Optimismus angergt habe und zu Eurer Erheiterung in Problemsituationen beigetragen habe 😉 Ich habe noch oft an Euch schrägen Haufen zurückgedacht :).
      Mal sehen wohin mich der Fridolin noch trägt. Senegal? SÜdamerika? Ihr bleibt auf dem Laufenden.

      Schöne Grüße aus dem schönen Baku, auf eine neue Kupplung wartend,
      Cate

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