Kasachstan – Land der Pannen und tollen Begegnungen

Kasachstan – Land der Pannen und tollen Begegnungen

statistik:

Kazbek – Semei – Taldyqorghan – Almaty.

pannen: Hinterreifen Platt (Cate), Motorschaden (Michael), Heck gebrochen die 1.(Cate)

Kasachstan - eine Straße durch eine gigantische Wiese
Kasachstan – eine Straße durch eine gigantische Wiese

Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Russen übertreffen könne bisher nur die Kasachen.

Wir erreichen die kasachische Grenze am Nachmittag. Die Grenzüberquerung ist reibungslos auch wenn der Grenzbeamte geschlagene 2 Minuten abwechselnd mich und meinen Pass begutachtet und mit einer Lupe darin rumfuchtelt. Da kann man schon mal nervös werden!

Wir haben beide keine Kasachischen Tenge und keine Ahnung vom Wechselkurs.

Im Hotel hinter der Grenze teilt mir Michael mit, dass er morgen 1200Km nach Almaty allein fährt. Sein Motorrad klingt wie ein Traktor und er will schnell die Ursache wissen. ‚Wie jetzt, ich soll allein weiter?‘ denke ich erschrocken. Ein verständliches Anliegen, hätte er mir allerdings unter Umständen vor dem Abendessen in einem Hotel ohne Internet sagen können.

Ich habe keine Karte von Kasachstan, keine kasachische Kohle, mein Licht hat nen Wackelkontakt und es schüttert praktischerweise aus Eimern! Ich bin überrascht und gekränkt. ‚Ich dachte wir geben ein gute Fahrteam ab‘ denke ich.  Ich will  noch nicht allein weiterfahren! So spontan und unter diesen Umständen erst recht nicht! Ich weiß, dass sich Michael über die Umstände keine Gedanken gemacht hat, finde die Aktion trotzdem über. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich zumindest ein Hotel mit Internet gewählt um die kasachische Karte runterzuladen. Michael überlässt mir seine Papierkarte. ‚Super, ich war schon immer grandios im Papierkarten lesen.‘ Aber besser als nix. Ich bin trotzdem ziemlich beunruhigt. ‚Jetzt sofort allein weiterfahren? Kann ich das überhaupt?‘ Ja ich weiß, es war der Plan, dass ich irgendwann allein weiterfahre…aber ich bin noch nicht darauf vorbereitet und hab Schiss!

Als erstes an meinem Tag allein merke ich, dass mir die Papierkarte in der Stadt wenig hilft. Ich frage 100 Leute nach dem Weg und irre ein wenig umher bis ich in einem Hotel die Kasachstan Karte herunterlade.

Danach endet mein Tag recht spontan. Nach 70 Km habe ich einen platten Reifen. Natürlich im Nirgendwo und natürlich habe ich keinen Ersatzschlauch, Fridolin keinen Hauptständer (ein RIESEN Manko! Ich kann ja nicht mal allein meine Kette ölen!). Ich treffe die äußerst unkluge Entscheidung zu den nächsten Häusern in etwa 3 Km Entfernung mit Platten zu tuckern. Dabei wickelt sich mein Schlauch ab und um das Rad. Klasse! Ich halte einen Lkw an, der einen anderen Lkw anhält, der einen anderen Lkw anhält. Nein, eine Werkstatt sei hier nicht und schon gar keine die meinen Schlauch führt. Gemeinsam mit den hilfsbereiten Herren und Händen und Füßen (keiner spricht englisch) entscheiden wir dann mich und Fridolin im LKW in die nächste größere Stadt hinter Semei (nämlich Taldyqorghan) zu fahren. In..äh 400 Km. ‚Ok 400 Km klingt doch nicht übel‘ Denkste!

9 Stunden katastrophalstee Straße mit 30 Km/h später kommen wir an. Ich fahre mit Serik und Elsar. 2 Herren mitte 30. Interessanterweise schaffen wir es mit meinen Brocken russisch und Seriks Fähigkeit Dinge Simpel zu umschreiben uns die ganze Fahrt zu verständigen. Sogar über Politik: ‚Putin doof, Trump doof, kirgisischer Präsident alkoholabhängig, auch doof.‘ Ich erfahre, dass gerade Ramadan ist. Serik fastet, ich zwangsläufig mit, wir fahren nämlich ohne Pause. Auf meine Frage ob es zwischen Muslimen und Christen Probleme gäbe, ernte ich Verwirrung. ‚Warum das so sein sollte?‘ Eine überaus berechtigte Frage seinerseits, wie ich finde!

Mit Serik bleibe ich auch später in Kontakt. Wir kommunizieren via Whatsapp mit Bildern, Smilieys und Videos in denen Serik seinen russischen Monolog mit Gestikulliererei untermauert. Ich verstehe meistens was er meint.

Früher am Tag: Während ich auf Hilfe mit meinem platten Reife warte, bekomme ich eine SMS von Michael. Er ist 150 Km gefahren und hat vermutlich nen Motorschaden. Die Ploillager (?) seien defekt. Ich habe wirklich wenig Ahnung, aber dass ein Motorschaden einer Motorradbeerdigung gleichkommt, weiß ich doch. Dann sehen wir uns wohl morgen nicht in Almaty. Ich hoffe sehr für ihn, dass er unrecht hat! Wir sollen uns erst 2 Wochen später in Usbekistan wiedertreffen.

In Taldyqorghan wechsel ich mit dem überaus hilfsbereiten und genauso ahnungslosen Automechaniker den Reifen, nachdem Serik und ich 45 Minuten mit dem Taxi die Stadt nach einem Ersatzschlauch abgesucht haben. Ich bin immer wieder fasziniert über die riesige Hilfsbereitschaft, die mir zuteil wird!

Den Mechaniker davon zu überzeugen dass es „nie charascho“ ist wenn er die Distanzstücke falschrum einsetzt und die Felge splittert ist gar nicht so einfach. Ich bin froh, wenn er mir nicht jeden Schlüssel aus der Hand nimmt. Als Frau erfahre ich sehr viel Hilfsbereitschaft – werde aber auch oft nicht ernst genommen.

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Seinetwegen saß ich 400 Km auf dem Truck.

Am nächsten Tag fahre ich ganze 210 Km. Dann befinde ich mich auf Truck Nummer 2.

Trampen 2.0 mit Motorrad. Das macht nicht Jeder! Diesmal: Mein Gepäckträger ist auf beiden Seiten gebrochen. Ich dachte es wäre der Stoßdämpfer, weil die Maschine bei jedem Minihuckel kracht als würde sie aufsetzen. 12 Stunden auf dem Lkw. Wieder spricht keiner Englisch.

Ich übernachte im Truck Container. Im abgeschlossenen Truck Container. Nachdem ich Sadik, den Fahrer, irgendwann überzeugt hatte, dass ich NICHT mit ihm im Truckerbett übernachte (er war keineswegs aufdringlich, er bot es nur mehrfach an) ließ er mir die Wahl:

Entweder ich schlafe am 3 spurigen Highway mit offener Tür, oder er schließt sie von außen ab. ‚Super, ich wollte schon immer neben meinem kaputten Motorrad im schmutzigen, abgeschlossenen Container übernachten!‘ Ich solle anrufen, wenn ich raus wolle. Zum Glück bin ich ja heillos gutgläubig und optimistisch. In der Regel zu Recht. So auch diesmal. Der Plan funktioniert. Als ich morgens um 7 Uhr anrufe, macht Sadik mir auf.

Ich wollte schon immer im abgeschlossenen Kontainer neben kaputtem Fridolin nächtigen
Ich wollte schon immer im abgeschlossenen Container neben kaputtem Fridolin nächtigen!

Am nächsten Tag in Almaty gehe ich als erstes übermüdet und ungeduscht in die Werkstatt des Freeriders Hostels. Fridolin hat Vorrang. Nach 20 Sekunden Probefahrt ist das Problem lokalisiert. Ich fühle mich gut aufgehoben. Die 4 gut aussehenden Kasachen schweißen den Träger, die Welt um Fridolin ist wieder in Ordnung.

Michael ist in der Zwischenzeit bei einer netten Pfarrersfamilie untergekommen und später auf einem LKW Richtung Almaty unterwegs. Leider ist seine Pechsträhne hartnäckig und der Lkw bleibt liegen. Meinen Rat sich einen Neuen zu suchen lehnt er ab. Leider dauert die Ersatzteilbeschaffung zur Weiterfahrt 2 Tage. Und dann? Der Lkw läuft trotzdem nicht! Er steigt auf einen neuen LKW um. Der wiederum hat beim Verladen Probleme. Er ist inzwischen 3 Tage auf dem Weg nach Almaty und mehr als schlecht drauf.

Ich verbringe die Tage in Almaty in der Werkstatt und warte Fridolin endlich. Eigentlich muss ich nur alle 12000Km das Öl wechseln, aber nach den Strapazen der Gobi, mache ich es lieber jetzt schon nach gut 6000 Km. Das wird auch in Zukunft mein Intervall. Roman, Alexandr, Denis und Ruslan lassen mich machen und schauen ab und an ob ich alles richtig mache. Brauche ich eine 3. Hand sind sie hilfsbereit zur Stelle.

Mit meinem Distanzstück vor dem Kettenspanner sind sie unzufrieden und schweißen kurzerhand ein Neues. Selbst für meinen gebrochenen Spiegel haben sie eine kreative Reperaturidee. Beides kommentieren sie strahlend mit „present“. Meinem Motorrad wird sich in jedem Fall mehr gewidmet als anderen. Eine Frau allein in der Motorradwelt kann eben auch Vorteile haben. Einer anderen Frau auf dem Motorrad bin ich bisher auf der Tour nirgends begegnet. Das soll auf der Reise auch noch lange so bleiben!

Roman, Alexandr und Ruslan wie sie Fridolins Rahmenm reparieren. Deniz ist leider gerade nicht da.
Roman, Alexandr und Ruslan wie sie Fridolins Rahmenm reparieren. Deniz ist leider gerade nicht da.
1. Ölwechsel allein
1. Ölwechsel allein – irgendwo muss man ja anfangen zu lernen.

Almaty ist für mich die Stadt der netten Begegnungen.

Da ist Darkhan, der mit mir 2 Stunde auf die Pirsch nach einer Kopflampe geht. Da ist die liebe Hostelgroßmutter, die alle mit Luftküssen versieht. Da sind die Hilfsbereiten LKW Fahrer und Mechaniker. Da sind meine Lieblingsschweizer Hans und Raphael. Vater und Sohn. Zwei so herzliche und liebe Menschen mit denen ich 3 tolle Tage verbringe. Wir entwerfen im Gemeinschaftsprojekt einen Tankrucksack aus 2 Rucksäcken und färben Fridolin wieder rot indem wir die eingerissene Folie abfriemeln. Daran hatte Raphael eine unerklärlichen heiden Knibbelspaß. Die beiden fahren leider leider leider in die entgegengesetzte Richtung (wie jeder bisher!) Der Abschied fällt schwer.

Ich fahre mit der Pamir Karte der beiden und Raphaels Endurohandschuhen weiter. Ich werde noch oft an sie denken! Mit den beiden wird meine Idee geboren mir eine Mofa zu kaufen nur um sie „Töfli“ zu nennen. Mein neues Lieblingswort!

Erinnerungswürdig ist auch unser letzter Abend zu 3. Hans und Raphael wollten noch „ein ernstes Wörtchen“ mit mir reden. Ich hätte für den Iran zu wenig Dollar kalkuliert (man kann im Iran mein Geld abheben). Kurzerhand drücken sie mir 500$ in die Hand. Ich solle sie einfach irgendwann zurückzahlen (Hans: „Wann du kannst. In nem halben Jahr oder so. Oder du bringst sie in der Schweiz vorbei“). Ich bewundere dieses Vertrauen, obwohl wir uns kaum kennen woraufhin Hans entgegnet, die Dollar weniger würden ihn sonst auch nicht umbringen. Ich fühle mich wieder in meinem ersten Eindruck bestätigt 2 tolle Menschen kennengelernt zu haben.

Friemelarbeit. Die schwarze Folie muss ab. Mit freundlicher Unterstützung der Schweiz: Meine Lieblingsschweizer Hans und Raphael.
Friemelarbeit. Die schwarze Folie muss ab. Mit freundlicher Unterstützung der Schweiz: Hans und Raphael.

Und wieder verlasse ich eine Land viel zu früh auf der Jagd nach dem Einreisedatum für Turkmenistan. Ich werde bald lernen, dass es unnötig ist.

 

2 thoughts on “Kasachstan – Land der Pannen und tollen Begegnungen

  1. Reinald

    Hi Cate,
    wie immer erwartet man ungeduldig den neuesten Reisebericht deiner abenteuerlichen Reise.
    Ich hoffe nur, Fridolin hält weiter durch so das du die Reise glücklich und gesund bis
    zum Ende durchführen kannst. Über die große Hilfsbereitschaft die du schilderst gibt die Hoffnung
    auf das gute im Menschen zurück und stärkt die Planung für die eigene Reise. Ich wünsche dir alles Gute für die nächsten Etappen. LG Reini

    1. Cate

      Hallo Reini,

      die Leute bleiben auch bis Usbekistan bisher weiterhin toll. Fridolin hält aucvh bei 80 Octan bisher tapfer durch nur die Nägel auf der Straße mag er nicht so. Abendprogramm: Reifenwechsel die 2.
      Der Reisebericht ist in seinen Endzügen und bald für Euch zu lesen :).
      Ich wünsche Dir weitehrin viel Erfolg bei der Planung! Meld Dich bei Fragen gern.

      Herzliche Grüße , Cate

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