Russland – Wenn Tanken zum Abenteuer wird

Russland – Wenn Tanken zum Abenteuer wird

Statistik:

Onguday – Barnaul – Krasnii Aul

1120 Km

 Pannen: keine!

Schicksalsergeben bauen wir unsere Zelte auf und witzeln, dass wir nun in Gebiet übernachten das keinem Land zugeordnet ist, bis wir von der mongolischen Grenzpatrouille verwiesen werden. „No camping in boarderzone“. ‚Na ihr seid ja witzig! Was nun?‘ denke ich. Den Ausreisestempel der Mongolei haben wir bereits, die Mongolei hat Feierabend. Zurück an der mongolischen Grenze herrscht allgemeine Ratlosigkeit. Sie wollen unsere Pässe einbehalten und die Motorräder im Grenzgebiet verriegeln. Pässe einbehalten? NO WAY! Nach hartnäckigem Disput meinerseits bleiben nur die Motorräder stehen. Wir incl. Pass dürfen uns im 50 Seelendorf der Grenze ein „Hotel“ suchen. Problem nur: Es gibt keins. Unsere Zelte liegen am Motorrad. Wir landen in einem Wohnhaus einer Familie mit 2 Räumen in denen insgesamt 14 Betten stehen (auf 20 Qm!). Die Betten haben eher Hängemattencharakter, Wasser oder Toilette gibt es nicht. Es erinnert mich ein bisschen an die 2 Wochen als Nomadin in mongolischer Jurte. Da hatte ich auch keine Privatsphäre. Ich schlafe kaum, Michael scheint weniger Probleme mit dem Hängemattenkonstruckt oder dem Lärm zu haben.

Russland: Vor verschlossenen Türen
Russland: Vor verschlossenen Türen – Heimlich fotografiert -Grenzfotos mögen die Russen gar nicht!
Das "Grenzhotel" Mongolei - Russland
Das „Grenzhotel“ Mongolei – Russland
unsere sweeten Übernachtungsgäste im Grenzhotel
unsere sweeten Übernachtungsgäste im Grenzhotel

Am nächsten Morgen verbringen wir wieder 30 Minuten auf der Suche nach Passierschein B21 und weitere 30 Minuten an der russischen Grenze. Die russischen Grenzbeamten sind (wieder meiner Erwartung nach gestern!) allerdings alle freundlich und helfen uns das Zolldokument für die Motorräder auszufüllen.

5 Grad und Schneeregen mitte Juni. Wilkommen in Russland
5 Grad und Schneeregen mitte Juni. Wilkommen in Russland

 

Wir passieren die Grenze im Schneeregen. Mitte Juni. Ich friere und ich hasse frieren. Nach einer schlaflosen Nacht und dem Grenztheater ist die Stimmung gespannt. Michaels Vorschlag die Route zu verkürzen und den Offroad Teil durch das wunderschöne Altaigebirge auszulassen ist nicht gerade harmoniefördern. Wenn wir unser Turkmenistan Visum einhalten wollen (es ist nur 5 Tage gültig), haben wir keine Zeit das weiß ich. Aber ich hatte mich auf den schroffen Altai gefreut. Wohl wissend, dass die Entscheidung die weisere ist, da das Wetter mieserabel ist und wir im Zeitverzug sind, finde ich es dennoch schade. Trotz Regen, Kälte und schlechter Stimmung, schafft es der Altai mit seinen Schneebedeckten Gipfeln und grünen Tälern uns zu begeistern.

Im russischen Stadtverkehr verlieren Michael und ich uns, nach einem eher spontanen Abbiegemanöver von Michael. Ich bin als Motorradreise Neuling in solchen Situationen immer etwas panisch. Aber ich stehe keine 10 Sekunden und es halten gleich 2 Autos, die den Vorfall gesehen habe an geben mir eine 2 minütige Wegbeschreibung – auf russisch. ‚Ich versteh nur Bahnhof‘. Irgendwann verstehe das auch meine Helfer und ich werde zu der Stelle an der sie Michael zuletzt gesehen haben eskortiert. Wir brauchen noch weitere 15 Minuten um uns zu finden.

Diese Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit habe ich in dem kurzen Russland Aufenthalt häufig erlebt. Ich habe nicht viel von Russland erwartet, es als Transitland eingeordnet, und bin begeistert von seinen Bewohnern! Ich erlebe die Russen als sehr mitteilungsfreudig. Der Satz „ich verstehe kein russisch“ hindert sie in der Regel nicht daran uns weiter freundlich auf russisch zuzuquasseln. Darüber kann ich mich köstlich amüsieren!

Meine Herausforderung in Russland: Tanken! In Russland bezahlt man zuerst und tankt dann. In der Regel steckt man den Zapfhahn des gewünschten Kraftstoffs dafür vorher in den Tank. Das geht bei Fridolin nicht, weil in der Tanköffnung 2 Metallstangen verbaut sind (WARUM um alles in der Welt?!). Die Vermittlung dieses Umstands dauert jedes Mal mehrere Minuten. Da Fridolin bei dem Gegenwind hier locker 5 Liter verbraucht (bei einem 7,8 Liter Tank!) verbringe ich viel Zeit gestikulierend an Tankstellen…alle 100 Km. Bei Michael klappt das Tanken interessanterweise tadellos…

Kurz vor der Grenze zu Kasachstan suchen wir uns noch ein Café…in der wohl hässlichsten Stadt Russlands: Rubjowsk. Alles grau, ein Hochhaus grenzt an das Nächste, die Sowjetunion lässt grüßen. Unser „Café“ serviert auch Frühstück: Brötchen, Aufschnitt und Wodka. Ich bin mit COSMO zum Radiointerview verabredet.

 

Rubjowsk. Die wohl hässlichste Stadt Russlands.
Rubjowsk. Die wohl hässlichste Stadt Russlands.

Ich würde gern mehr Zeit in diesem schönen Land verbringen und finde es schade, dass wir schon weiter nach Kasachstan fahren.

3 thoughts on “Russland – Wenn Tanken zum Abenteuer wird

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