Russland – Wenn Tanken zum Abenteuer wird

Russland – Wenn Tanken zum Abenteuer wird

statistik:

Onguday – Barnaul – Krasnii Aul

1120 Km

 Pannen: keine!

Einreise mit Schwierigkeiten. Der Grenzübergang Mongolei – Russland war eine Odyssee! Wir kommen um 16:30 Uhr an der mongolischen Grenze zu Russland (Myangani) an. Die Mongolen sind mit den Zollpapieren unserer Motorräder überfordert und schicken uns eine Stunde von A nach B und zurück nach A (Ein bisschen wie bei Asterix und Obelix auf der Suche nach Passierschein B21 oder so). Um 17:20 Uhr entlässt uns der mongolische Zoll ins 30 Km lange Niemandsland bis zur russischen Grenze mit der Aufforderung: „Hurry hurry hurry, weil die russische Grenze um 18:00 Uhr schließt. Wir brettern also mit 95 Km/h über den Schotter und erreichen den russischen Checkpoint  um 17:40 Uhr. Der Beamte telefoniert kurz und teilt uns mit, wir dürften nicht mehr einreisen. Vor unseren Augen schließen sich die Tore. Wir sind in der „Boarderzone“ gefangen, denken wir zunächst. Schicksalsergeben bauen wir unsere Zelte auf, bis wir von der mongolischen Grenzpatrouille verwiesen werden. „No camping in boarderzone“. Na ihr seid ja witzig! Was nun? Den Ausreisestempel der Mongolei haben wir bereits, die Beamten haben Feierabend. Zurück an der mongolischen Grenze herrscht allgemeine Ratlosigkeit. Sie wollen unsere Pässe einbehalten und die Motorräder im Grenzgebiet verriegeln. Pässe einbehalten? NO WAY! Nach hartnäckigem Disput meinerseits bleiben nur die Motorräder stehen. Wir incl. Pass dürfen uns im 50 Seelendorf der Grenze ein „Hotel“ suchen. Problem nur: Es gibt keins. Unsere Zelte liegen am Motorrad. Wir landen in einem Wohnhaus einer Familie mit 2 Räumen in denen insgesamt 14 Betten stehen (auf 20 Qm!). Die Betten haben eher Hängemattencharakter, Wasser oder Toilette gibt es nicht. Ich schlafe kaum, Michael scheint weniger Probleme mit dem Hängemattenkonstruckt oder dem Lärm zu haben.

Russland: Vor verschlossenen Türen
Russland: Vor verschlossenen Türen – Heimlich fotografiert -Grenzfotos mögen die Russen gar nicht!
Das "Grenzhotel" Mongolei - Russland
Das „Grenzhotel“ Mongolei – Russland
unsere sweeten Übernachtungsgäste im Grenzhotel
unsere sweeten Übernachtungsgäste im Grenzhotel

Am nächsten Morgen verbringen wir wieder 30 Minuten auf der Suche nach Passierschein B21 und weitere 30 Minuten an der Russischen Grenze. Die Russischen Grenzbeamten sind (wieder meiner Erwartung nach gestern!) allerdings alle freundlich und helfen uns das Zolldokument für die Motorräder auszufüllen.

5 Grad und Schneeregen mitte Juni. Wilkommen in Russland
5 Grad und Schneeregen mitte Juni. Wilkommen in Russland

Wir passieren die Grenze im Schneeregen. Mitte Juni. Nach einer schlaflosen Nacht und dem Grenztheater ist die Stimmung gespannt. Michaels Vorschlag die Route zu verkürzen und den Offroad Teil durch das wunderschöne Altaigebirge auszulassen ist nicht gerade harmoniefördern. Darauf hatte ich mich gefreut. Wohl wissend, dass die Entscheidung die weisere ist, da das Wetter mieserabel ist und wir im Zeitverzug sind ,finde ich es dennoch schade. Trotz Regen, Kälte und schlechter Stimmung, begeistert der Altai mit seinen Schneebedeckten Gipfeln und grünen Tälern.

Beim Versuch  zu umfahren, verlieren wir uns, nach einem eher spontanen Abbiegemanöver von Michael. Ich stehe keine 10 Sekunden und gleich 2 Autos, die den Vorfall gesehen habe halten an geben mir eine 2 minütige Wegbeschreibung auf russisch. Ich versteh nur Bahnhof. Irgendwann verstehe das auch meine Helfer und ich werde zu der Stelle an der sie Michael zuletzt gesehen haben eskortiert. Wir brauchen noch weitere 15 Minuten um uns zu finden. Diese Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit habe ich in dem kurzen Russlandaufenthalt häufig erlebt. Ich habe nicht viel von Russland erwartet, es als Transitland eingeordnet, und bin begeistert von seinen Bewohnern! Ich erlebe die Russen als sehr mitteilungsfreudig. Der Satz „ich verstehe kein russisch“ hindert sie in der Regel nicht daran uns weiter freundlich auf russisch zuzuquasseln. Darüber kann ich mich köstlich amüsieren!

Meine Herausforderung in Russland: Tanken! In Russland bezahlt man zuerst und tankt dann. In der Regel steckt man den Zapfhahn des gewünschten Kraftstoffs dafür vorher in den Tank. Das geht bei Fridolin nicht, weil in der Tanköffnung 2 Metallstangen verbaut sind (WARUM um alles in der Welt?!!). Die Vermittlung dieses Umstands dauert jedes Mal mehrere Minuten. Da Fridolin bei dem Gegenwind hier locker 5 Liter verbraucht (bei einem 7,8 Liter Tank!) verbringe ich viel Zeit gestikulierend an Tankstellen…alle 100 Km. Bei Michael klappt das Tanken interessanterweise tadellos…

Kurz vor der Grenze zu Kasachstan suchen wir uns noch ein Kafe…in der wohl hässlichsten Stadt Russlands: Rubjowsk. Alles grau, ein Hochhaus grenzt an das Nächste, die Sowjetunion lässt grüßen. Aber ich bin mit COSMO zum Radiointerview verabredet.

Rubjowsk. Die wohl hässlichste Stadt Russlands.
Rubjowsk. Die wohl hässlichste Stadt Russlands.

Ich würde gern mehr Zeit in diesem schönen Land verbringen und finde es schade, dass wir schon weiter nach Kasachstan fahren.

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