Mongolei – Gobi Wüste, der Endgegner zuerst?

Mongolei – Gobi Wüste, der Endgegner zuerst?

Statistik:

Ulaanbaatar – Kuhld – Dalanzagat – Boghd – Bayangovi – Biger- Darvi – Khovd – Myangani.

Gefahrene Kilometer: 4000 Km, 1000 Km davon Offroad.

Fallquote Cate: 7 Mal. Meist im Sand, keine nennenswerten Verletzungen.

Fallquote Michael: 3 Mal. Einmal vom Auto beim links abbiegen sehr unsanft in den Graben befördert. Einmal in einen vom Wasser produzierten 1×1 Meter Krater gefahren. Einmal Sand. Unerklärlicher- und glücklicherweise nur Schürfwunden.

Pannen: Defekter Kettenspanner (Michael), Mutter der Hinterachse inklusive Distanzstück während der Fahrt verloren ((Cate) Die geschichte gibt’s hier), Abblendlicht mit Wackelkontakt (Cate), Startprobleme aufgrund von Elektrik (Michael), Vollausfall der Elektrik aufgrund kaputter Sicherung (Michael).

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Der Krater der Michael spontan von 60 KmH auf 0 KmH bremste.
Der Krater der Michael spontan von 60 KmH auf 0 KmH bremste.

 

Panne nummer 2. Die Möhre springt nicht an.
Panne nummer 2. Die Möhre springt nicht an.

Wir sind 3 Tage später losgefahren, weil mein Motorrad zu spät in Ulaanbaatar ankam und die Spedition es zunächst nicht freigegeben hat. LOXX Pan Europa. Ich kann sie NICHT empfehlen. Seht hier. Die 300 Km Tagesetappe konnten wir im Gelände oft nur mit Mühe halten, daher waren unsere Fahrtage oft sehr lang. 09:00 Uhr bis 20:00 Uhr – Keine Seltenheit.

Die Tage in Ulaanbaatar waren schön, aber da ich unter 7 Männern die einzige Frau war, auch anstrengend! Dass mir (fast) keiner der Herren mein Vorhaben wirklich zutraute, wurde auch ohne dass sie dies direkt kommunizierten deutlich. Ich mache ziemlich schnell die Erfahrung, dass man in der Männerdomäne Motorradreisen als Frau oft nicht ernst genommen wird. Besonders meine (in der Tat schlechte) Vorbereitung stieß auf große Skepsis.

Ich bin diese Reise mit 100 selbst gefahrenen Kilometern auf meinem Fridolin gestartet. Mit Gepäck bin ich noch nie gefahren und einen Feldweg hatte er bis dato auch noch nicht gesehen. Ich hatte daher selbst große Sorge ob ich mich mit dem Offroad- Endgegner Mongolei als Reisestart überfordere. Zum Glück fahre ich die Mongolei mit Michael, der bereits ein alter Offroad Hase ist und der mir häufig hilfreiche Tipps im Gelände gibt und Fridolin mit mir unermüdlich aufhebt. Unsere großen Fahrpraxis Differenzen haben mir in der Planung ziemliche Bauchschmerzen bereitet. Ich hatte Sorge, Michael könnte schnell genervt sein, weil ich nur im Blumenpflückmodus vorwärts komme.

Beide Sorgen waren glücklicherweise unbegründet. Erstere weil ich erstaunlich gut mit losem Untergrund und Gepäck zurecht komme und zweitere, weil Michael daher kaum warten muss.

Die Gobi Wüste:

Die knapp 1000 Km durch die Wüste sind für mich eine riesen Herausforderung aber auch ein Highlight. Einen Kleinen Eindruck bekommt ihr hier. Wir haben manchmal einen ganzen Tag keinen Menschen gesehen und mussten unsere Navigation (die hat in der Regel Michael übernommen. Ich navigiere mit dem Handy. Das klappt aber erstaunlich gut) nicht selten auf Luftlinien Navigation umstellen, weil es weit und breit keine Straße gab. Ein Kompass ist hier unentbehrlich! Während ich anfangs noch gefragt habe ob wir auf der richtigen Straße fahren, wollte ich irgendwann nur noch wissen ob die Himmelsrichtung noch stimmt.

Ein Tag in der Gobi Motorradfahren ist ungefähr wie 3 Tage staubiges Festival…ohne Dusche. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 30 Km/h. Ihr könnt Euch also vorstellen wie anstrengend das Fahren ist. Trotzdem habe ich einen riesen Spaß im Gelände! Es wird definitiv nicht das letzte Mal Piste für mich sein! Meine wichtigste Lektion der ersten Tage: Fridolin und Kreiselkräfte (nicht Zentrifugalkräfte, danke Michael) machen das schon. Ich muss mich nicht am Lenker festkrallen. Wenn ich mein Vorderrad nicht in eine Richtung zwinge wo es nicht hin will während das Hinterrad tanzt, klappt das schon. Vor Allem letzteres hat einiges vereinfacht! Ich bin überrascht wie ein Motorrad sich auch nach spektakulärem Schlingern wieder aufrichten kann.

Wir beginnen unsere Offroadtour von Dalanzagat. Die kompletten 4 Tage Gobi zelten wir. Da es in der Gobi kein Wasser gibt, decken wir uns in den mini Ortschaften immer mit 5 Litern Wasser ein, damit wir abends auch kochen können. Nachdem Michael das fehlende Metallteil am Kocher ingeneuersmäßig neu erfindet, geht das mit dem Benzinkocher echt fix! 4 Tage ohne Dusche werden mit atemberaubenden Zeltplätzen, völliger Abgeschiedenheit, Stille, Lagerfeuer und unendlich vielen Sternen belohnt.

Michael ist oft verwundert, warum ich mich nie über schwieriges Gelände wie steile Hänge und Sand, mangelnde Dusche oder lange Fahrtage beschwere. Diese etwas sexistische Bewunderung ärgert mich anfangs. Sie ist allerdings keinesfalls böse gemeint, sondern vielmehr Ausdruck ehrlicher Verwunderung. Weiblichkeit und Abenteuerlust oder Belastbarkeit scheinen sich für (einige?) Männer wohl auszuschließen. Die Annahme legt sich bei Michael aber recht schnell. Schon am dritten Tag nickt er mir vor schwierigen Pisten aufmunternd zu und ist wenig überrascht, wenn ich sie ohne Klagen meistere.

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An Tag 3 (03.06. von Boghed nach Bayangovi) verfahren wir uns. Die Himmelsrichtung stimmt nicht mehr und die Piste liegt auf der anderen Seite vom Flussbett. Michael checkt den Weg durch den Fluss aus und kommt kopfschüttelnd zurück. Ich verstehe nicht wieso. ‚Sieht doch passierbar aus‘? denke ich. Passierbar ist ein sehr dehnbarer Begriff, soll ich gleich lernen.

Die kommenden 3 Stunden sind auf meiner Paaaassieeeeerbaaaaar – Annahme gewachsen. Ich musste versprechen, dass es meine Idee war und nicht er mich 3 Stunden durch Sanddünen gescheucht hat!

Unsere kleine „Abkürzung“ war das anstrengendste was ich jemals auf einem Motorrad bewältigen musste. Dummerweise kamen nach dem Flussbett nämlich etwa 3 (gefühlt 100!) Km Sanddünen! Michael kommentiert die Strecke während wir Fridolin aufheben und ich mich für meine Fortbewegung in Mopsgeschwindigkeit entschuldige mit ernstem Gesichtsausdruck folgendermaßen: „Das hier ist kein Kinderspielplatz mehr.“ Das sieht Fridolin wohl genauso. Seine Leistung und Übersetzung reichen kaum für Sanddünen. Mit Vollgas im ersten Gang und kreischendem Motor bettelt er um Erbarmen. Anders kam ich schlicht nicht vom Fleck! Mensch und Maschine gehen hier an ihre Grenze und sogar eine Zwangspause aufgrund von überhitztem Motor bleibt nicht aus.

Nach 3 Stunden Krampf im Sand kommen wir an eine Oase. Wunderschöner Anblick mit blauen Blumen soweit das Auge reicht…und mit bestialischem Gestank. Egal, Hauptsache kein Sand mehr. Und dann? Hinter der nächsten Düne am Oasentümpel – man glaubt es kaum! – steht inmitten der Wüste und meilenweit von allem entfernt: Eine Jurte! Wo eine Jurte, da eine „Straße“! Wir haben unsere Abkürzung also zumindest abgeschlossen. Die 300 Km schaffen wir an dem Tag nicht mehr.

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Am Letzten Tag in der Mongolei fahren wir noch ein Stück mit Jörg und Kai. Ich finde es schade, dass die beiden eine andere Route fahren. Auch wenn wir nicht das gleiche Tempo haben (im Gelände sind Michael und ich schneller, auf Asphalt die beiden) macht es doch Spaß. Ich werde sie wirklich vermissen!

Auf dem Programm steht heute für mich als neue Herausforderung eine Flussdurchfahrt. Meine erste und ich gehe promt baden. Während die erste Hälfte der Durchfahrt sehr gut lief, habe ich im 2. Teil versucht gegen die Strömung zu lenken und bin von der vorher definierten Fahrlinie abgewichen. In meinen Weg stellt sich ein ziemlich hoher Stein. Mein Vorderrad kommt drüber und als ich gerade denke ich hab’s geschafft, setzt mein Motorblock auf! Ich habe ich ein bisschen zuviel Beinfreiheit und kippe vom Stein ins Wasser. Michael steht zum Glück präventiv mit im (arschkalten!) Fluss, schubst mich kurzerhand aus dem Weg (klasse, ich gehe komplett baden) um Fridolin aus dem Wasser zu angeln und schlimmeres zu vermeiden. Nochmal gut gegangen! Frustriert bin ich über mein unfreiwilliges Badeerlebnis dennoch, besonders nachdem Michael so mir nichts dir nichts durch den Fluss fährt. Für die nächsten 3 Tage sehe ich aus als hätte ich mit einem Tintenfisch gerungen – und verloren. Meine Hände sind knalleblau. Meine Handschuhe färben ab.

Nach 1000 Km Geröll, Lawastein, Matsch und stundenlanger zick zack Suche nach einer „Straße“, sowie Bergpässen mit atemberaubendem Ausblick und viel unfreiwilligem Bodenkontakt sind wir wieder auf Asphalt. 200 km geradeaus. Ich vermisse die Piste schon nach wenigen Metern. Ich hab Blut geleckt! Pistenblut.

Ich habe immer gesagt, ich mache die Reise auch allein. Im Nachhinein bin ich aber sehr dankbar, dass ich die Mongolei mit Michael fahren konnte. Ich wäre allein nie so tief in die sandige, menschenleere Gobi gefahren und hätte nie an so atemberaubenden Plätzen mein Nachtlager aufgeschlagen. Differenzen gab es trotz unterschiedlicher Reisevorstellungen und Reiseerfahrungen. Michaels Begleitung ist in jedem Fall eine Bereicherung.

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Dreamteam!
Dreamteam!
Unsere ein - Tages -Reisegruppe mit Jörg und kai. Gern wieder!
Unsere ein – Tages -Reisegruppe mit Jörg und kai. Gern wieder!

 

 

6 thoughts on “Mongolei – Gobi Wüste, der Endgegner zuerst?

  1. Wofgang Fleischer

    Hi Cate,

    ich bin Larry ein Kumpel von Maikel aus seiner Heimat Wolfegg.
    Hab Dein Reistagebuch bisher echt genossen. Scheint als hättet ihr eine spannende Zeit gehabt!
    Manchmal vielleicht nervenaufreibender als es nötig gewesen wäre 😉
    Wünsch Dir noch ne gute Weiterfahrt!! Vielleicht hast ja Lust noch einen kleinen Umweg ins Allgäu zu machen, damit wir Dich und Fridolin auch mal kennenlernen;-)

    Viele Grüße

    Larry

    1. Cate

      Hi Larry,

      freut mich, dass Dir die Beiträg gefallen! Ja spannend war und ist es in jedem Fall. Ich finde auch, dass die Pannenserie so langsam enden kann! Ich plane ohnehin auf dem Rückweg bei Michael vorbeizufahren, dann sehen wir uns bestimmt!

      Viele Grüße,

      Cate

  2. Anntin

    Atemberaubende Bilder-Atemberaubende Menschen! Eine gute Weiterreise und viele Grüße auch von meiner Family und Johannes, bacio:-*

    1. Cate

      Danke meine Liebe Anne <3 Herzliche Grüße zurück an anne!

  3. Doris

    Liebe Cate,
    ich kenne Dich nicht persönlich aber Jörg hat mir viel von Dir erzählt und ich möchte Dir unbedingt noch Alles Gute und spannende Tage, ohne Verletzngen und ohne Stress wünschen.
    Wenn Du in der nähe vom Westerwald bist, würde ich mich sehr freuen, dich kennen zu lernen.
    Ich finde Deine AUSZEIT ganz prima, trau Dich auch weiterhin im Leben…..egal was andere sagen (vor allem Männer)
    Ganz herzliche Grüße
    Doris ——————Jörg’s Fau 🙂

    1. Cate

      Liebe Doris,
      ich habe mich sehr über Deine Nachricht gefreut und komme Euch gern im Westerwald besuchen! Ich habe Michael inzwischen in Samarkand wiedergetroffen. Wir sind jetzt im schönen Bichara und widmen uns nun dem Nagel nummer 2 in meinem Reifen 😉 Ich hoffe ebenfalls auf Pannenfreiere Etappen, kann ich Dir sagen! Aber solange man mit Optimismus fährt ist alles kein Problem!
      Herzliche Grüße,

      Cate

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