2 Wochen Nomadin in der Mongolei

Meine 2 Wochen kann man am besten als entbehrlich und bereichernd gleichzeitig beschreiben.

IMG_8146
Davaa (rechts) und Dalumaa (links). Sie nannten mich ihre „Verlorene Tochter“ bis zu meinem Abschiedstag an dem ich nach Ulaanbataar zurück fahren sollte. Nach 2 Wochen traditioneller Tracht war der Anblick von mir in dem Kleid ungewohnt. Davaa’s Kommentar: „Wie siehst Du denn aus? Das ist nicht meine Tochter. Bring sie zurück!“

IMG_7745

Davaa und Dalumaa

Meine Gastfamilie, Davaa und Dalumaa, ein unfassbar herzliches Ehepaar um die 60, wohnen mit ihren jüngsten (von 6) Söhnen und Familie in 2 Jurten. Jede Jurte besteht aus einem Raum in dem praktisch alles stattfindet. Schlafen, Wohnen, Kochen, Waschen, Essen. Es ist auch immer Jemand da. Privatsphäre?- Fehlanzeige! Die „Toilette“ ist wurde extra für mich errichtet. Man stelle sich den 60 Jährigen Davaa vor wie er sie zusammenzimmert. Wirklich sehr lieb! Sie besteht aus einem Loch im Boden mit PVC Folie als Sichtschutz und 2 Balken zum stehen. Mein stetiger Gedanke: „Hoffentlich halten die Bretter!“

IMG_7874
Die eigens für mich errichtete Toilette…da bekommt das Sprichwort: „Mir friert der Arsch ab“ eine ganz neue Bedeutung…

Meine größten Herausforderungen:

2 Wochen ohne jegliche Privatsphäre und ohne Kommunikation. Erkenntnis: Man kann trotz ständiger Gesellschaft einsam sein.

Wo ziehe ich mich um? – 1. Versuch: Draußen. Ich wurde argwöhnisch begutachtet und ich hatte später Gras an Socken und Schlafhose. Klasse ich bin die geborene Nomadin. Später überreicht mir Dalumaa einen Mantel unter dem ich mich in der Jurte umziehen konnte.

IMG_7847
Chimge und ihr Bruder Chimbat. Meine beiden deutschsprachigen Vermittler am ersten Tag.Die kommenden 2 Wochen werde ich sie nicht sehen.

Wo wasche ich mich? – 1. Versuch draußen. Ebenfalls unter Argwohn. Später stellen mir meine Gasteltern eine Schale mit warmem Wasser hin und beobachten was ich tue. An Tag 3 überwinde ich mich und bitte sie ihre Jurte kurz zu verlassen.

Schlafen!! Schlafen auf einer Holzpritsche wenn 50cm neben Dir jemand sitzt und fern sieht (der fernsehen steht an meinem Kopf), ein Kind füttert, redet oder wenn im Bett gegenüber geschnarcht wird.

Sit in auf mongolisch
Sit In auf mongolisch. Das Rechts wo der Herr in Blau drauf sitzt ist mein Bett.

Ein Tag bei Nomaden

06:00 Uhr Frühstück. Für mich gnädiger Weise Brot mit Schmand und Zucker, dazu Milchtee. Üblicherweise auch gern Reste des Abendessens die dann im Milchtee aufgewärmt werden.

06:30 Uhr Kühe und Jacks melken (mit der Hand versteht sich). Die Stuten werden nur im Sommer gemolken, dafür alle 2 Stunden.

08:00 Uhr Zusammentreffen zum 2. Milchtee. Die Nomaden trinken praktisch kein Wasser sondern nur Michtee. Die Hoffnung bei spartanischer Nomadenkost 2 Kilo abzunehmen kann ich mir bei 5% Fettanteil der einzigen Flüssigkeitsquelle wohl abschminken.

08:30 – 09:30: Milch aufkochen um Milchtee und Joghurt zu produzieren.

09:30 – 14:00 Uhr Zusammensitzen in der Jurte, Fernsehen, Mittagsschlaf (mich ausgenommen). Die Jurten sind inzwischen mit Autobaterien ausgestattet, die über Sonnenreflektoren geladen werden. Daher gibt es eigentlich in jeder Jurte einen Fernseher und Licht.

14:00 Uhr Essen Vorbereiten: Nudelteig vorbereiten, ziehen lassen, in schmale Streifen schneiden. Getrocknetes Hammelfleisch in Wasser aufweichen. Das alles in einen riesigen Vock und auf dem mit Jackmist beheizten Ofen garen.

15:00 Uhr Mittagessen. Das getrocknete und aufgeweichte Hammelfleisch ist tatsächlich genießbar. Zum Glück, die nächsten 2 Wochen esse ich nichts anderes. Größte Umstellung ist allerdings der tägliche Fleischkonsum als Solches. In Deutschland esse ich kein Fleisch. Schlürfen ist bei den Nomaden offenbar völlig normal. Gleiches gilt im Übrigen für alle Körpergeräusche. Jederzeit, überall.

16:00 Uhr: Die Schafe und Ziegen werden zusammengetrieben und Jungtiere dessen Mütter keine Milch haben bei anderen Muttertieren versorgt.

17:00 Uhr: Zusammentreiben der Kühe und Jacks. Die Jungtiere werden in ein Holzgehege gesperrt, damit die Muttertiere morgens Milch zum melken haben.

18:00 Uhr Abendessen vorbereiten. Wahlweise selbiges wie das Mittagessen. Ich habe aber auch Reis (1X), gefüllte Teigtaschen (mit getrocknetem Hammel) und Fleisch-Mehlbrei Suppe gegessen.

19:00 – 22:00 Uhr (ca.) Feierabend: Zusammensitzen, fernsehen.

22:00 Uhr Joghurt mit Zucker. Plötzlich horchen alle auf. eine Kuh hat 3 mal gemuht beim 4. mal springt der Sohn auf und läuft mit Taschenlampe nach draußen. Sonst so gemütlich kann ich jetzt kaum dem Tempo der Taschenlampe folgen. Ein Kalb wurde geboren.

00:00 Uhr Schlafenszeit. Dawaa und Daluma schlafen seit 40 Jahren zusammen auf einer 90cm Holzpritsche mit gefühlt hauchdünner Auflagematte.

2 thoughts on “2 Wochen Nomadin in der Mongolei

  1. Hans

    Hallo Cate,
    Du müsstest die Reisebegleitung von Mikel sein!? Hoffe Du hast die Weiten und die Ruhe der Mongolei etwas genießen können.
    Ist Dein Motorrad schon angekommen? Wünsch euch eine schöne Heimfahrt. Ich flieg in vier Wochen in die Mongolei.
    Viele Grüße und immer eine handvoll Luft in den Reifen.

    Gruß

    Hans

    1. Cate

      Hi Hans,

      ja die bin ich, bzw war ich. Micha hat nen Motorschaden. Ich fahre seit Kasachstan allein und breche übermorgen (vermutlich) auf den Pamir auf. Nach einem Platten und einem gebrochenen Rahmen etc hab ich da hoffentlich eine Pannenpause. Woher kennst Du den Micha?

      Herzliche Grüße,

      Cate

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *